Italien, Sonne, Sommer, blauer Himmel.

Es ist kalt. Es ist kein Sommer. Was paßt da besser, als eine Bierflasche aus Italien zu zeigen. Gekauft habe ich sie, glaube ich, in Südtirol. In Südtirol muß ich mich immer selbst daran erinnern, daß ich in Italien bin.

Ich hatte zwei Sorten gekauft, Amabile  und Forte.

forte

Amabile gibt es wohl nicht mehr, oder es wurde in La Decisa unbenannt.

Das Bier kommt aus Friaul, was einen Bogen zu dem Bier aus der Schweiz schlägt: man spricht Furlanisch, eine Variante des Ladinischen. Und auch Friaul ist eine autonome Provinz, wie Südtirol. Es gibt in Friaul deutschsprachige Enklaven.

Die Birra Castello S.p.A ist in  der Provinz Udine und nun wird es interessanter, denn aus der Hauptstadt der Provinz Udine, Udine, stammt Tina Modotti.

Tina Modotti - Edward Weston,

Tina Modotti hat ziemlich viele Dinge in ihrem Leben getan, die deutsche Wikipedia bezeichnet sie als Schauspielerin, Fotografin und Revolutionärin. Leider bekommt man den Eindruck, sie wäre all das nur gewesen, weil sie mit den entsprechenden Leuten, sprich Männern, zu tun hatte. Sie wurde Fotografin als Geliebte Edward Westons und sie wurde Kommunistin als Geliebte Xavier Guerreros. Sie wurde Revolutionärin als Geliebte Vittorio Vidalis.

Und dann warf sie ihre Kamera in die Moskwa.

Der englische Wikipediaartikel legt den Schwerpunkt mehr auf die Fotografin und Künstlerin und ist dem deutschen auf alle Fälle vorzuziehen.
Dort findet sich  auch Pablo  Nerudas Epitaph:

Pure your gentle name, pure your fragile life,
bees, shadows, fire, snow, silence and foam,
combined with steel and wire and
pollen to make up your firm
and delicate being.

Langsam wird es wärmer. Wenn auch nicht sonniger.

Der Pelikan

Eins zwei drei vier … ich gebe zu, die Perspektive habe ich auf dem Foto etwas versaut – so gedrungen ist die Flasche nun in Wirklichkeit nicht.
Pelforth ist eine recht junge Brauerei, 1914 in einer kleinen Stadt in der Nähe von Lille in  Französisch-Flandern gegründet. Sie gehört mittlerweile längst zu Heineken. Ursprünglich hieß die Brauerei Brasserie du Pélican.

“1937 begann Jean Deflandre, der Sohn von Armand, mit der Produktion eines obergärigen Biers unter Verwendung einer englischen Bierhefe und gab ihm den Namen Pelforth 43, zusammengesetzt aus Pel für “Pélican”, forte für den hohen Malzanteil und dem h, das den Namen dem Englischen näher brachte. Die 43 war das Symbol für die 43 kg Gerste pro hl, die aufgewendet wurden und für das 43. Infanterieregiment von Lille.”

sagt das Kochwiki.

Pélican ist ein Foxtrott und kein Vogel. (Naja, grundsätzlich ist das natürlich auch ein Vogel.).
Das hat mich dann doch schon überrascht.

“Contrairement à la coutume de donner son patronyme à la société, les trois associés optent pour Pélican, le nom d’une danse, ” la danse du Pélican “, fox trot alors très à la mode. Le nom est prononçable dans toutes les langues et le symbole du Pélican suffit pour se faire comprendre.” 

 

Beides, das Zitat als auch das Notendeckblatt, stammen vom Blog der Brasseries de Mons-en-Barœul  ̶  einer Fundgrube für Fotos und Infos. Da kann ich eigentlich nichts hinzufügen.
Außer vielleicht noch einen link – Prodimarques über die Saga Pelforth.

Und der Vogel?

Pelikane gibt es außer in der Antarktis überall in der Welt, der größte Pelikan, der Krauskopfpelikan, erreicht eine Körperlänge von 1,80m und eine Flügelspannweite von 3,45m. In Europa leben Pelikane mehr im Osten, auf dem Balkan, an der Wolga oder am Kaspischen Meer. In Mainz und am Rhein leider nicht.

Und dann wäre da auch noch die Herlitz AG, die sich seit April 2015 Pelikan AG nennt. Der erste Füller – war es ein Pelikan oder ein Geha?

 

Berge. Bier. Sturz. Schweiz.

Die Surselva Braui in Flims Waldhaus/Graubünden führt ganzjährig drei Biere, wovon eines ein Weizen ist.
Die anderen beiden habe ich gekauft.
Marenghin und Blutzcher.

blutzcher

Es gäbe einiges zu erzählen. Über den Flimser Sturz,  über das Surselvisch. Über die Rhätische Bahn und über Laax und LAAX  und den Parc la Mutta in Falera. Über Graubünden und über die Schweiz und die schweizer Biere.

Ich entscheide mich für das Bündnerromanische. Surselvisch ist eine rätoromanische Variante, die in Graubünden, im Surselva-Tal, gesprochen wird.

Surselvisch. Bier heißt biera, Flaschenbier biera en butteglias und Bier brauen far biera. Surselvisch heißt auf Surselvisch Sursilvan.

Die beiden Biere Marenghin (hell, naturtrüb untergärig) und Blutzcher (dunkel, untergärig) sind nach Münzen benannt:

marenghin m, Goldstück n, Zwanzigfrankenstück n, Louisdor m, Napoleon m; miez ~, Zehnfrankenstück n; (vergl.) esser sc’in ~ niev, blitzsauber, schön aufgeputzt sein.
[it. marenghino].

bluzcher m, 1. Blutzger m, alte Bündner Scheidemünze (2-5 Rappen). – 2. Name verschiedener Pflanzen. – a) Täschelkraut n (Thlaspi arvense). – b) (pl.) bluzchers, Norwegisches Ruhrkraut (Gnaphalium norvegicum). – 3. (Spiel; volksk.) dar il ~, das Stöckelspiel spielen, den “Blutzger” ausspielen.
[zu schwdt. Blutzger].

Dies alles kann man in der versiun digitala dil niev vocabulari sursilvan nachschauen. Es finden sich in der Vocabulari Sursilvan auch dreizehn Einträge für das dt. Kuh:

von
balandra f, alte, hässliche magere Kuh.
[zu oit. balanda; vgl. -> barlandra].
bis
vachetta I f, kleine Kuh, Kühlein n.

Nur so nebenbei mal bemerkt. Kühe sind mindestens so wichtig wie Bier.

Die rätoromanischen Sprachen sind in vielerlei Hinsicht ein komplexes Thema, die Diskussionen über eine etwaige genetische Einheit von Bündnerromanisch, Dolomitenladinisch und Friaulisch bleiben heftig und ergebnislos.

Bündnerromanisch ist vierte Landessprache der Schweiz und Amtssprache in Graubünden, Dolomitenladinisch und Friaulisch sind als Minderheitensprachen in Italien anerkannt.

Coulms. Biera. Bova. Swizra.

 

 

Die Hacke. Das Bier.

Wochenlang (nun ja, bis vor zehn Minuten) habe ich auf dem Flaschenetikett hopchot gelesen und mir so eine Erklärung mit Hopfen und Schuß zusammengereimt. Hopshot halt. Der Hopfenschuß!

Doch es ist ganz anders. Le Hapchot ist eine Hacke.

Gefühlt könnte das Wort mit ahd. hāppa, Sichel, zusammenhängen, aber ich lag ja schon mit meinem gefühlten Hopfenschuß gut daneben.

Hapchot Bridon

Eine Hacke also, mit der man zur Harzgewinnung die Rinde der Seekiefer einritzt. Die Harzproduktion war neben der Holzwirtschaft lange Zeit ein wichtiger Wirtschaftszweig im Département Landes im Südwesten Frankreichs.

Mit Bier hat das alles nichts zu tun, außer, daß die Brauerei eben auch im Département Landes, in Hossegor, beheimatet ist:

“Il n’a donc, à priori, pas de lien direct avec la bière, mais montre notre attachement au patrimoine et à l’histoire de notre région. Par ailleurs, le hapchot ainsi que son utilisation, demande adresse et dextérité, vertus également indispensables à la fabrication d’une bière de qualité.”

So richtig einig mit sich selbst, wie sie das Bier vermarkten will, ist die Brauerei wohl nicht. Von der artisanal, traditionell und heimatverbunden gebraut schwangeren Biergeschichte über das edel und einfach gestaltete Flaschenetikett, das eher an eine Weinflasche erinnert, bis zur hippen farbgefilterten Instagramflut auf der Webseite: alles ist dabei.

Der Ort Hossegor ist weniger bekannt für sein Bier bei den Biertrinkern als für seine Wellen bei den Wellenreitern.

 
Hossegor

Oder auch für seine nicht vorhandenden Wellen. Von einer Surf-Webseite:

“Couple that with maddening month-long summer flat spells and you could end up coming home from a month in Hossegor with a beer belly and some strange sexually transmitted disease instead of a snapped board and a gleam in your eyes.”

Womit wir wieder beim Bier wären.

Ohrwurmbierflasche

Wenn man eine kleine Geschichte über eine Bierflasche schreiben will, die man in irgendeinem südfranzösischen Supermarkt wegen des Etiketts gekauft hat, und zu der man eigentlich keine kleine Geschichte hat, recherchiert man erstmal.

La bière du Cabanon ist zwar aus Marseille, das Etikett erinnerte mich allerdings eher an Douliou Douliou Saint Tropez.

La cagole ist Marseiller slang:

“… ce terme est devenu dans le langage populaire synonyme de fille un peu légère, mais sympathique, qui fait l’objet de moqueries.” 

In dem Zeitungsartikel, aus dem dieses Zitat stammt, erzählen die beiden Gründer auch, das Bier würde jetzt nur noch in Marseille gebraut. Und noch:

“… Recréer une bière marseillaise qui rappelle l’ambiance de Pagnol.”

Aha. Ich denke an de Funès und die denken an Pagnol.

In den ersten Jahren wurde das Bier tatsächlich ausschließlich in Tschechien gebraut.

Wobei diese tschechische Brauerei eine viel interessantere Geschichte zu erzählen hat. Die Nymburk Brauerei (deutsch Nimburg oder Neuenburg an der Elbe) vermarktet ihr eigenes Bier unter dem Namen Postřižinské nach einer Erzählung von Bohumil Hrabal, Postřižiny.
Bohumil Hrabal verbrachte seine Kindheit in Nymburk, er war der Stiefsohn des Buchhalters der Brauerei. Eine Verfilmung der Erzählung gibt es auch, Postriziny:

“An evocation of the childhood memories of Bohumil Hrabal in his provincial town of Nymburk, dominated by the local brewery.”

Da will man eine kleine Geschichte über eine bunte Bierflasche erzählen und lernt dabei ganz andere Dinge. Trotzdem ein schönes Etikett. Und von Bohumil Hrabal will ich mal etwas lesen.

Douliou douliou Saint Tropez, douliou douliou Saint Tropez …

Aluminiumbierflaschen und Ernsthaftigkeit

Es sind am Ende dreiunddreißig Bierflaschen geworden. Fotografiert sind sie alle, (nach-)bearbeitet bisher nur eine.
Das ist nämlich immer der Zeitpunkt, an dem ich die Ernsthaftigkeit und die Geduld verliere.
Nach der Bearbeitung eines Fotos.
Dann beginne ich, mit diversen DxO oder Nik Packs rumzuspielen.
Da oben das Foto ist das Ergebnis einer Spielerei mit Analog Efex Pro 2.
Nichts ernsthaftes.

Das Foto zeigt die einzige Aluminiumbierflasche, die ich besitze. Ein Märzen aus Österreich, irgendwann zeige ich es dann auch mal richtig.

Nachdem das header image enthusiastische Zustimmung in der Passauer Ecke fand, lasse ich es mal so stehen. Um die Treppen in der Vignettierung zu vertuschen, habe ich etwas Rauschen drüber gelegt. Die Vignette musste sein, um das Durcheinander auf dem Tisch zu verstecken. Mehr gibt das Foto nicht her, ich habe es im Juli, noch mit dem alten Nexus 5, gemacht. Da war dessen Kamera schon einige Zeit nicht mehr so gut. Oder die Linse unrettbar verdreckt.

Wie geht es nun weiter?

Im scrap press poste ich ein zwei mal im Monat, ich erwarte, daß es hier ähnlich selten sein wird. Oder seltener, weil ich die Fotos mehr bearbeiten muss als üblich.

Der Bierflasche gebührt ja doch die entsprechende Ernsthaftigkeit der Behandlung.

Eins zu eins.

Es mit dem Format 1:1 zu versuchen ist keine schlechte Idee gewesen. Es bewahrt  mich immerhin vor dem Hochformat.
Es paßt ganz gut als featured image in das Twenty Sixteen Theme von WordPress.

Die Chimay Flasche ist nur ein Platzhalter, dies hier ist ja ein Probebeitrag. Für eines der ersten Fotos aber gut genug, um es zu zeigen. Das Packpapier hat waagrechte Falten, die versuche ich in der Komposition einzubinden. Mich erinnert das alles an eine Felswand in einer Höhle der Augsburger Puppenkiste.

Das Foto zeigt noch den Schlagschatten und das unleserliche Etikett. Mittlerweile habe ich umgebaut. Der Schlagschatten ist weg, dafür zu viele highlights auf der Flasche. Lesbarer wurde das Etikett dadurch auch nicht.

Diese Flasche habe ich aufgehoben, weil sie ein Geschenk ist. Von Brügge mit dem Zug im Trolley zu mir. Chimay kennt jeder, die Flaschen kennt jeder, da gibt es keine Geschichte. Oder doch, noch eine Bemerkung. Ein Belgier erzählte mir, das Bier in den kleinen Flaschen mit Kronkorken sei schlechter als das in den großen verkorkten Flaschen.