Es geschah am hellichten Tag

Oder: Das Versprechen – Requiem auf einen Kriminalroman.

Sehe ich den Graubündner Steinbock, denk ich an Gert Fröbe, an Heinz Rühmann, an Friedrich Dürrenmatt, an Es geschah am hellichten Tag.

Es geschah am hellichten Tag 1959

Dürrenmatt fand die Verfilmung gar nicht so toll und hat hinterher auf Grundlage seines Filmskripts den Roman Das Versprechen geschrieben.
Heinz Rühmann war ihm zu bürgerlich. Ich hoffe aber mal, mit dem Gert Fröbe war er zufrieden, der Friedrich Dürrenmatt.

Die Rolle als Kindermörder Schrott hat dann dazu geführt, daß Gert Fröbe sechs Jahre später für den Bösewicht in Goldfinger unter Vertrag genommen wurde.

In Graubünden selbst gibt es, Wappentier hin oder her, erst seit der Neuansiedlung von 800 Tieren in den Zwanziger Jahren wieder Steinböcke, die seit 1976 auch bejagt werden dürfen.

Der aufrechte schwarze Steinbock auf silbernem Grund war seit dem 13. Jahrhundert das Wappentier des Bistums Chur, er wurde später vom Gotteshausbund übernommen und ist irgendwann im 19. Jahrhundert im Wappen von Graubünden gelandet.

Und so ist der Steinbock auch auf den Autokennzeichen in Graubünden zu finden. Aber das macht eh alles nur Sinn, wenn man den Film kennt.

Ich könnte ihn auch mal wieder anschauen.
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Berge. Bier. Sturz. Schweiz.

Die Surselva Braui in Flims Waldhaus/Graubünden führt ganzjährig drei Biere, wovon eines ein Weizen ist.
Die anderen beiden habe ich gekauft.
Marenghin und Blutzcher.

blutzcher

Es gäbe einiges zu erzählen. Über den Flimser Sturz,  über das Surselvisch. Über die Rhätische Bahn und über Laax und LAAX  und den Parc la Mutta in Falera. Über Graubünden und über die Schweiz und die schweizer Biere.

Ich entscheide mich für das Bündnerromanische. Surselvisch ist eine rätoromanische Variante, die in Graubünden, im Surselva-Tal, gesprochen wird.

Surselvisch. Bier heißt biera, Flaschenbier biera en butteglias und Bier brauen far biera. Surselvisch heißt auf Surselvisch Sursilvan.

Die beiden Biere Marenghin (hell, naturtrüb untergärig) und Blutzcher (dunkel, untergärig) sind nach Münzen benannt:

marenghin m, Goldstück n, Zwanzigfrankenstück n, Louisdor m, Napoleon m; miez ~, Zehnfrankenstück n; (vergl.) esser sc’in ~ niev, blitzsauber, schön aufgeputzt sein.
[it. marenghino].

bluzcher m, 1. Blutzger m, alte Bündner Scheidemünze (2-5 Rappen). – 2. Name verschiedener Pflanzen. – a) Täschelkraut n (Thlaspi arvense). – b) (pl.) bluzchers, Norwegisches Ruhrkraut (Gnaphalium norvegicum). – 3. (Spiel; volksk.) dar il ~, das Stöckelspiel spielen, den “Blutzger” ausspielen.
[zu schwdt. Blutzger].

Dies alles kann man in der versiun digitala dil niev vocabulari sursilvan nachschauen. Es finden sich in der Vocabulari Sursilvan auch dreizehn Einträge für das dt. Kuh:

von
balandra f, alte, hässliche magere Kuh.
[zu oit. balanda; vgl. -> barlandra].
bis
vachetta I f, kleine Kuh, Kühlein n.

Nur so nebenbei mal bemerkt. Kühe sind mindestens so wichtig wie Bier.

Die rätoromanischen Sprachen sind in vielerlei Hinsicht ein komplexes Thema, die Diskussionen über eine etwaige genetische Einheit von Bündnerromanisch, Dolomitenladinisch und Friaulisch bleiben heftig und ergebnislos.

Bündnerromanisch ist vierte Landessprache der Schweiz und Amtssprache in Graubünden, Dolomitenladinisch und Friaulisch sind als Minderheitensprachen in Italien anerkannt.

Coulms. Biera. Bova. Swizra.