Der Pelikan

Eins zwei drei vier … ich gebe zu, die Perspektive habe ich auf dem Foto etwas versaut – so gedrungen ist die Flasche nun in Wirklichkeit nicht.
Pelforth ist eine recht junge Brauerei, 1914 in einer kleinen Stadt in der Nähe von Lille in  Französisch-Flandern gegründet. Sie gehört mittlerweile längst zu Heineken. Ursprünglich hieß die Brauerei Brasserie du Pélican.

“1937 begann Jean Deflandre, der Sohn von Armand, mit der Produktion eines obergärigen Biers unter Verwendung einer englischen Bierhefe und gab ihm den Namen Pelforth 43, zusammengesetzt aus Pel für “Pélican”, forte für den hohen Malzanteil und dem h, das den Namen dem Englischen näher brachte. Die 43 war das Symbol für die 43 kg Gerste pro hl, die aufgewendet wurden und für das 43. Infanterieregiment von Lille.”

sagt das Kochwiki.

Pélican ist ein Foxtrott und kein Vogel. (Naja, grundsätzlich ist das natürlich auch ein Vogel.).
Das hat mich dann doch schon überrascht.

“Contrairement à la coutume de donner son patronyme à la société, les trois associés optent pour Pélican, le nom d’une danse, ” la danse du Pélican “, fox trot alors très à la mode. Le nom est prononçable dans toutes les langues et le symbole du Pélican suffit pour se faire comprendre.” 

 

Beides, das Zitat als auch das Notendeckblatt, stammen vom Blog der Brasseries de Mons-en-Barœul  ̶  einer Fundgrube für Fotos und Infos. Da kann ich eigentlich nichts hinzufügen.
Außer vielleicht noch einen link – Prodimarques über die Saga Pelforth.

Und der Vogel?

Pelikane gibt es außer in der Antarktis überall in der Welt, der größte Pelikan, der Krauskopfpelikan, erreicht eine Körperlänge von 1,80m und eine Flügelspannweite von 3,45m. In Europa leben Pelikane mehr im Osten, auf dem Balkan, an der Wolga oder am Kaspischen Meer. In Mainz und am Rhein leider nicht.

Und dann wäre da auch noch die Herlitz AG, die sich seit April 2015 Pelikan AG nennt. Der erste Füller – war es ein Pelikan oder ein Geha?

 

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Die Hacke. Das Bier.

Wochenlang (nun ja, bis vor zehn Minuten) habe ich auf dem Flaschenetikett hopchot gelesen und mir so eine Erklärung mit Hopfen und Schuß zusammengereimt. Hopshot halt. Der Hopfenschuß!

Doch es ist ganz anders. Le Hapchot ist eine Hacke.

Gefühlt könnte das Wort mit ahd. hāppa, Sichel, zusammenhängen, aber ich lag ja schon mit meinem gefühlten Hopfenschuß gut daneben.

Hapchot Bridon

Eine Hacke also, mit der man zur Harzgewinnung die Rinde der Seekiefer einritzt. Die Harzproduktion war neben der Holzwirtschaft lange Zeit ein wichtiger Wirtschaftszweig im Département Landes im Südwesten Frankreichs.

Mit Bier hat das alles nichts zu tun, außer, daß die Brauerei eben auch im Département Landes, in Hossegor, beheimatet ist:

“Il n’a donc, à priori, pas de lien direct avec la bière, mais montre notre attachement au patrimoine et à l’histoire de notre région. Par ailleurs, le hapchot ainsi que son utilisation, demande adresse et dextérité, vertus également indispensables à la fabrication d’une bière de qualité.”

So richtig einig mit sich selbst, wie sie das Bier vermarkten will, ist die Brauerei wohl nicht. Von der artisanal, traditionell und heimatverbunden gebraut schwangeren Biergeschichte über das edel und einfach gestaltete Flaschenetikett, das eher an eine Weinflasche erinnert, bis zur hippen farbgefilterten Instagramflut auf der Webseite: alles ist dabei.

Der Ort Hossegor ist weniger bekannt für sein Bier bei den Biertrinkern als für seine Wellen bei den Wellenreitern.

Wave on a mural in Hossegor by Dominique Antony

Oder auch für seine nicht vorhandenden Wellen. Von einer Surf-Webseite:

“Couple that with maddening month-long summer flat spells and you could end up coming home from a month in Hossegor with a beer belly and some strange sexually transmitted disease instead of a snapped board and a gleam in your eyes.”

Womit wir wieder beim Bier wären.

Ohrwurmbierflasche

Wenn man eine kleine Geschichte über eine Bierflasche schreiben will, die man in irgendeinem südfranzösischen Supermarkt wegen des Etiketts gekauft hat, und zu der man eigentlich keine kleine Geschichte hat, recherchiert man erstmal.

La bière du Cabanon ist zwar aus Marseille, das Etikett erinnerte mich allerdings eher an Douliou Douliou Saint Tropez.

La cagole ist Marseiller slang:

“… ce terme est devenu dans le langage populaire synonyme de fille un peu légère, mais sympathique, qui fait l’objet de moqueries.” 

In dem Zeitungsartikel, aus dem dieses Zitat stammt, erzählen die beiden Gründer auch, das Bier würde jetzt nur noch in Marseille gebraut. Und noch:

“… Recréer une bière marseillaise qui rappelle l’ambiance de Pagnol.”

Aha. Ich denke an de Funès und die denken an Pagnol.

In den ersten Jahren wurde das Bier tatsächlich ausschließlich in Tschechien gebraut.

Wobei diese tschechische Brauerei eine viel interessantere Geschichte zu erzählen hat. Die Nymburk Brauerei (deutsch Nimburg oder Neuenburg an der Elbe) vermarktet ihr eigenes Bier unter dem Namen Postřižinské nach einer Erzählung von Bohumil Hrabal, Postřižiny.
Bohumil Hrabal verbrachte seine Kindheit in Nymburk, er war der Stiefsohn des Buchhalters der Brauerei. Eine Verfilmung der Erzählung gibt es auch, Postriziny:

“An evocation of the childhood memories of Bohumil Hrabal in his provincial town of Nymburk, dominated by the local brewery.”

Da will man eine kleine Geschichte über eine bunte Bierflasche erzählen und lernt dabei ganz andere Dinge. Trotzdem ein schönes Etikett. Und von Bohumil Hrabal will ich mal etwas lesen.

Douliou douliou Saint Tropez, douliou douliou Saint Tropez …