Berge. Bier. Sturz. Schweiz.

Die Surselva Braui in Flims Waldhaus/Graubünden führt ganzjährig drei Biere, wovon eines ein Weizen ist.
Die anderen beiden habe ich gekauft.
Marenghin und Blutzcher.

blutzcher

Es gäbe einiges zu erzählen. Über den Flimser Sturz,  über das Surselvisch. Über die Rhätische Bahn und über Laax und LAAX  und den Parc la Mutta in Falera. Über Graubünden und über die Schweiz und die schweizer Biere.

Ich entscheide mich für das Bündnerromanische. Surselvisch ist eine rätoromanische Variante, die in Graubünden, im Surselva-Tal, gesprochen wird.

Surselvisch. Bier heißt biera, Flaschenbier biera en butteglias und Bier brauen far biera. Surselvisch heißt auf Surselvisch Sursilvan.

Die beiden Biere Marenghin (hell, naturtrüb untergärig) und Blutzcher (dunkel, untergärig) sind nach Münzen benannt:

marenghin m, Goldstück n, Zwanzigfrankenstück n, Louisdor m, Napoleon m; miez ~, Zehnfrankenstück n; (vergl.) esser sc’in ~ niev, blitzsauber, schön aufgeputzt sein.
[it. marenghino].

bluzcher m, 1. Blutzger m, alte Bündner Scheidemünze (2-5 Rappen). – 2. Name verschiedener Pflanzen. – a) Täschelkraut n (Thlaspi arvense). – b) (pl.) bluzchers, Norwegisches Ruhrkraut (Gnaphalium norvegicum). – 3. (Spiel; volksk.) dar il ~, das Stöckelspiel spielen, den “Blutzger” ausspielen.
[zu schwdt. Blutzger].

Dies alles kann man in der versiun digitala dil niev vocabulari sursilvan nachschauen. Es finden sich in der Vocabulari Sursilvan auch dreizehn Einträge für das dt. Kuh:

von
balandra f, alte, hässliche magere Kuh.
[zu oit. balanda; vgl. -> barlandra].
bis
vachetta I f, kleine Kuh, Kühlein n.

Nur so nebenbei mal bemerkt. Kühe sind mindestens so wichtig wie Bier.

Die rätoromanischen Sprachen sind in vielerlei Hinsicht ein komplexes Thema, die Diskussionen über eine etwaige genetische Einheit von Bündnerromanisch, Dolomitenladinisch und Friaulisch bleiben heftig und ergebnislos.

Bündnerromanisch ist vierte Landessprache der Schweiz und Amtssprache in Graubünden, Dolomitenladinisch und Friaulisch sind als Minderheitensprachen in Italien anerkannt.

Coulms. Biera. Bova. Swizra.

 

 

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Die Hacke. Das Bier.

Wochenlang (nun ja, bis vor zehn Minuten) habe ich auf dem Flaschenetikett hopchot gelesen und mir so eine Erklärung mit Hopfen und Schuß zusammengereimt. Hopshot halt. Der Hopfenschuß!

Doch es ist ganz anders. Le Hapchot ist eine Hacke.

Gefühlt könnte das Wort mit ahd. hāppa, Sichel, zusammenhängen, aber ich lag ja schon mit meinem gefühlten Hopfenschuß gut daneben.

Hapchot Bridon

Eine Hacke also, mit der man zur Harzgewinnung die Rinde der Seekiefer einritzt. Die Harzproduktion war neben der Holzwirtschaft lange Zeit ein wichtiger Wirtschaftszweig im Département Landes im Südwesten Frankreichs.

Mit Bier hat das alles nichts zu tun, außer, daß die Brauerei eben auch im Département Landes, in Hossegor, beheimatet ist:

“Il n’a donc, à priori, pas de lien direct avec la bière, mais montre notre attachement au patrimoine et à l’histoire de notre région. Par ailleurs, le hapchot ainsi que son utilisation, demande adresse et dextérité, vertus également indispensables à la fabrication d’une bière de qualité.”

So richtig einig mit sich selbst, wie sie das Bier vermarkten will, ist die Brauerei wohl nicht. Von der artisanal, traditionell und heimatverbunden gebraut schwangeren Biergeschichte über das edel und einfach gestaltete Flaschenetikett, das eher an eine Weinflasche erinnert, bis zur hippen farbgefilterten Instagramflut auf der Webseite: alles ist dabei.

Der Ort Hossegor ist weniger bekannt für sein Bier bei den Biertrinkern als für seine Wellen bei den Wellenreitern.

Wave on a mural in Hossegor by Dominique Antony

Oder auch für seine nicht vorhandenden Wellen. Von einer Surf-Webseite:

“Couple that with maddening month-long summer flat spells and you could end up coming home from a month in Hossegor with a beer belly and some strange sexually transmitted disease instead of a snapped board and a gleam in your eyes.”

Womit wir wieder beim Bier wären.

Ohrwurmbierflasche

Wenn man eine kleine Geschichte über eine Bierflasche schreiben will, die man in irgendeinem südfranzösischen Supermarkt wegen des Etiketts gekauft hat, und zu der man eigentlich keine kleine Geschichte hat, recherchiert man erstmal.

La bière du Cabanon ist zwar aus Marseille, das Etikett erinnerte mich allerdings eher an Douliou Douliou Saint Tropez.

La cagole ist Marseiller slang:

“… ce terme est devenu dans le langage populaire synonyme de fille un peu légère, mais sympathique, qui fait l’objet de moqueries.” 

In dem Zeitungsartikel, aus dem dieses Zitat stammt, erzählen die beiden Gründer auch, das Bier würde jetzt nur noch in Marseille gebraut. Und noch:

“… Recréer une bière marseillaise qui rappelle l’ambiance de Pagnol.”

Aha. Ich denke an de Funès und die denken an Pagnol.

In den ersten Jahren wurde das Bier tatsächlich ausschließlich in Tschechien gebraut.

Wobei diese tschechische Brauerei eine viel interessantere Geschichte zu erzählen hat. Die Nymburk Brauerei (deutsch Nimburg oder Neuenburg an der Elbe) vermarktet ihr eigenes Bier unter dem Namen Postřižinské nach einer Erzählung von Bohumil Hrabal, Postřižiny.
Bohumil Hrabal verbrachte seine Kindheit in Nymburk, er war der Stiefsohn des Buchhalters der Brauerei. Eine Verfilmung der Erzählung gibt es auch, Postriziny:

“An evocation of the childhood memories of Bohumil Hrabal in his provincial town of Nymburk, dominated by the local brewery.”

Da will man eine kleine Geschichte über eine bunte Bierflasche erzählen und lernt dabei ganz andere Dinge. Trotzdem ein schönes Etikett. Und von Bohumil Hrabal will ich mal etwas lesen.

Douliou douliou Saint Tropez, douliou douliou Saint Tropez …

Aluminiumbierflaschen und Ernsthaftigkeit

Es sind am Ende dreiunddreißig Bierflaschen geworden. Fotografiert sind sie alle, (nach-)bearbeitet bisher nur eine.
Das ist nämlich immer der Zeitpunkt, an dem ich die Ernsthaftigkeit und die Geduld verliere.
Nach der Bearbeitung eines Fotos.
Dann beginne ich, mit diversen DxO oder Nik Packs rumzuspielen.
Da oben das Foto ist das Ergebnis einer Spielerei mit Analog Efex Pro 2.
Nichts ernsthaftes.

Das Foto zeigt die einzige Aluminiumbierflasche, die ich besitze. Ein Märzen aus Österreich, irgendwann zeige ich es dann auch mal richtig.

Nachdem das header image enthusiastische Zustimmung in der Passauer Ecke fand, lasse ich es mal so stehen. Um die Treppen in der Vignettierung zu vertuschen, habe ich etwas Rauschen drüber gelegt. Die Vignette musste sein, um das Durcheinander auf dem Tisch zu verstecken. Mehr gibt das Foto nicht her, ich habe es im Juli, noch mit dem alten Nexus 5, gemacht. Da war dessen Kamera schon einige Zeit nicht mehr so gut. Oder die Linse unrettbar verdreckt.

Wie geht es nun weiter?

Im scrap press poste ich ein zwei mal im Monat, ich erwarte, daß es hier ähnlich selten sein wird. Oder seltener, weil ich die Fotos mehr bearbeiten muss als üblich.

Der Bierflasche gebührt ja doch die entsprechende Ernsthaftigkeit der Behandlung.

Eins zu eins.

Es mit dem Format 1:1 zu versuchen ist keine schlechte Idee gewesen. Es bewahrt  mich immerhin vor dem Hochformat.
Es paßt ganz gut als featured image in das Twenty Sixteen Theme von WordPress.

Die Chimay Flasche ist nur ein Platzhalter, dies hier ist ja ein Probebeitrag. Für eines der ersten Fotos aber gut genug, um es zu zeigen. Das Packpapier hat waagrechte Falten, die versuche ich in der Komposition einzubinden. Mich erinnert das alles an eine Felswand in einer Höhle der Augsburger Puppenkiste.

Das Foto zeigt noch den Schlagschatten und das unleserliche Etikett. Mittlerweile habe ich umgebaut. Der Schlagschatten ist weg, dafür zu viele highlights auf der Flasche. Lesbarer wurde das Etikett dadurch auch nicht.

Diese Flasche habe ich aufgehoben, weil sie ein Geschenk ist. Von Brügge mit dem Zug im Trolley zu mir. Chimay kennt jeder, die Flaschen kennt jeder, da gibt es keine Geschichte. Oder doch, noch eine Bemerkung. Ein Belgier erzählte mir, das Bier in den kleinen Flaschen mit Kronkorken sei schlechter als das in den großen verkorkten Flaschen.

 

Dramatik, Waage und die Bierflasche

Das ist jetzt zugebenermaßen nicht so arg professionell. Mangels Material habe ich mich für die Dramatik zerknüllten Packpapiers als Hintergrund entschieden, da sehen dann alle Schatten und Unregelmäßigkeiten beabsichtigt aus.
Das Packpapier ist inspiriert vom Film “Delirious” mit Steve Buscemi. Sehenswert.
Allerdings ist der Schlagschatten links zuviel.
Mit dieser Beleuchtung ist ein Flaschenetikett nicht gut zu lesen, das hat zwar auch Dramatik und Charakter, aber nur zur Hälfte lesbare Worte stören mich. Das sah im Film deutlich besser aus.

Nicht umsonst habe ich den “International Unlevel Day” vor Jahren ins Leben gerufen. Ich denke zwar daran, die Kamera in die Waage zu bringen, daß man bei Bierflaschen auf mehreren Lagen Packpapier aber auch aufpassen sollte, zumal, wenn man laufend hin und her läuft und dran vorbei, fällt mir nicht ein. Der “International Unlevel Day” ist übrigens der 27. Dezember, traditionsgemäß poste ich da eines meiner schieferen Fotos auf dem scrap press.

Also Lampen umbauen und für festeren Stand der Bierflaschen sorgen.

 

Bierflaschenvorgeplänkel

Ich sammle Bierflaschen.

Nun ja, ich sammle auch Muttern (fotografisch eher uninteressant), Steine, rostiges Metallzeug (mindestens zwei römische Schiffsnägel sind dabei, ich schwöre) und kleine Pappschachteln (in der Hoffnung, daß ich sie irgendwann wiederverwenden kann, türmen sie sich auf).

Bierflaschen, gerade mal durchgezählt, sind es siebenundvierzig. Eine Handvoll davon nicht sehr fotogen, sagen wir mal, bleiben vierzig übrig, die ich fotografieren will. Und vorher abstauben.

Der Plan bisher ist, ein- oder zweimal im Monat ein Foto zu posten, mit einer kleinen Geschichte dazu. So ist dies ein endliches Blog, welches in spätestens drei Jahren zu Ende gehen wird.

Vorgeplänkel. Schwarzweiß oder Farbe? Ab und zu stelle ich mir diese Frage. Schwarzweiß. Erstens lenkt Farbe so oft ab und zweitens vereinfacht es deutlich die Beleuchtung in dem noch aufzubauenden Minifotostudio, siehe unten (wen interessiert dann noch die Farbtemperatur meiner Schreibtischlampen?).
Format? Ich habe eine tiefe Abneigung gegen das Hochformat. Bei Querformat dann 3:2? 4:3? Oder mal 1:1? Und wie wird das dann hier im Blog aussehen? Doch Hochformat? Nein. Definitiv. Nein.
Minifotostudioaufbau. Das verdient einen eigenen Beitrag.